Folge 6

Folge 5

 

 

 

 

Viele Wege führen nach Rom…….

 

 

 

 

Wie oft wurde schon die Frage gestellt nach der besten Zuchtmethode und wie viele Berichte und Abhandlungen sind schon über das Thema Zucht von Brieftauben geschrieben und veröffentlicht worden?

Wer hat noch nichts über Linienzucht, Familienzucht , Hybrideffekt, Inzucht, Kreuzungen oder vieles mehr in den Fachzeitschriften oder Büchern gelesen?

Wer hat am Stammtisch noch nicht die Diskussionen über die zielorientierteste Zuchtmethode für die besten Renner verfolgt oder gar selbst seine Erfahrungen zum Besten gegeben?

Aber fast immer geht es dabei letztlich nur um zwei bzw. drei Wege, die in der Zucht eingeschlagen werden. Das sind:

Die Inzucht, eingeschlossen Familien- und Linienzucht, sowie die oft damit verbundene Hybridisierung.

Natürlich will ich die vorgenannten Wege auch erläutern und aus meiner Sicht beschreiben. Inzucht war bis sicherlich in den 60er Jahren die probate Methode um in der damaligen Zeit Asse zu züchten. Hier waren Einige die mit großen Erfolgen die Züchterwelt auf sich aufmerksam machten und von eigenen Stämmen, die sie in enger Familienzucht herauszüchteten, berichtet wurde. Ein Name, oder manche nennen es auch Rasse, war bereits zu diesen Zeiten schon in aller Munde. Die Gebrüder Janssen waren und sind es heute noch, die die für eine enge Familienzucht standen. Mit der Rasse Janssen wurde immer schon der Begriff Inzucht verbunden und viele behaupten heute noch, dass es – auch deswegen - keine bessere Tauben zum Einkreuzen gäbe. Viele deutsche Meister, die es sich leisten konnten, haben früh direkt an der Quelle in Arendonk geschöpft und haben oder hatten ihre Erfolge auch diesen Einkäufen zu verdanken. Auch ist das der Grund warum es sie gibt, die Züchter, die mit angeblich reingezüchteten Janssen ihr Portmaine füllen konnten und auch scheinbar immer noch können. Sei es ihnen gegönnt! Die Theoretiker unter uns, haben einzelnen Rassen dann auch noch bestimmte Merkmale zugeschrieben. So werden Hellgehämmerte mit Glasaugen immer noch den Janssen zugeordnet.

In der Königsklasse, der Weitstrecke, z.B. Flüge ab Barcelona, ist es der Name Jan Aarden der mit Sicherheit immer auftaucht. Hier habe ich Pedigrees im Kopf, bei denen die Inzucht unglaubliche Formen annimmt. Eins ist sicher bei diesen Stammbäumen kommen die Inzuchtfetischisten, aber auch die Augenfanatiker, auf ihre Kosten. Das auch noch im wahrsten Sinne des Wortes! 

Eine "D" tolle Abstammung?

 

Diese Spezialisten lassen sich, diese aus „Original Jan Aarden“ – so werben sie für ihre Tauben – auch sehr gut bezahlen. Erstaunlich, wenn man bedenkt seit wann es eigentlich Jan Aarden, den Schlag, schon nicht mehr gibt. Wir sollten es aber besser wissen, denn es gibt sicher keine Originale von Jan Aarden mehr. Ein kluger Mann sagte mir, man müsse wissen was man nicht braucht. Dem Aarden-Stamm wird im Wesentlichen die dunkle mit Bronce überzogene Gefiederfarbe, auch mit weißen Spießen, zugeordnet.  Wichtig: Zudem gehören die Gold- und Silberaugen mit Nuancen zu grün oder lila als ein der wichtigsten Merkmale ebenfalls dazu. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Muss zugeben, wenn ich die Bilder dieser Augen sehe, verspüre ich schon ein Kribbeln und ich war schon oft kurz davor welche zu kaufen.      

Klar gibt es noch viele weitere sogenannte Rassen, die ihre eigenen typischen Merkmale zeigen. So fallen mir spontan die Delbars ein; Blaue und Blauschecken, aber auch die fahlen Delbars von Günter Prange. Die dunklen und broncefarbigen Van Wanroys und Hysken-Van Riel will ich auch nicht vergessen. Sicherlich gibt es noch weitere Namen, aber die alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen.

Van Wanroy oder?

 

Für mich interessant sind aber wirklich nur die Inzuchtstämme, die mehrere Generationen von Leistungstieren aufweisen können. Da kommt es mir nicht auf die Namen an, vielmehr interessiert es mich, welche Leistung die Vorfahren und die Familie erbracht hat. Glaubt mir, wenn das Leistungstier in der 5. Generation sitzt und seither nur Inzucht auf dieses Tier betrieben wurde, ohne die nächsten Generationen im Korb auszulesen, dann ist die Chance nur ganz gering, dass nun noch diese Eigenschaften (z.B. der Mordant, die Härte, der eiserne Wille) vererbt werden könnte. Diese Inzucht ist schön auf dem Papier, aber für die Zucht eher ein großes Lotteriespiel. Natürlich können, wenn ich einen echten Vererber daransetze, auch hier verwertbare Tiere kommen. Mir wäre ein echter Vererber für solche Paarungen vielleicht dann doch zu schade.

Aber trotzdem, es gibt sie noch in unseren Reihen, die Züchter, die Inzucht oder enge Familienzucht und auch in Linie paaren. Ab und an liest man in Berichten von ihnen und ihren Erfolgen. Wobei oft sich erst die großen Erfolge einstellen, wenn sie sich aus einem anderen erfolgreichen Stamm den richtigen Passer dazu geholt haben. Je nachdem wie der Passer gezogen wurde, vielleicht auch in enger Linienzucht, dann sprechen die Befürworter von Inzucht von einem Hybrideffekt.

Hybriden sind eigentlich nichts anderes als Bastarde aus zwei sehr eng in Linie gezogenen – in unserem Fall – Tauben. Dieser Begriff wird eigentlich mehr bei Hühnern gebraucht und steht für Legehühner die eine sehr hohe Legeleistung erbringen. Vereinfacht dargestellt, wird hier durch das Kreuzen zweier Inzuchtlinien  darauf abgezielt die Legeleistung zu steigern.

Wir müssen – wie ich meine - aufpassen, dass hier nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. Bei unseren Sporttauben geht es nicht nur um ein Merkmal, wie die Eierzahl, sondern bei uns  geht es um mehrere Eigenschaften die gleichzeitig vererbt werden, damit ein Ass entstehen kann. Und die meisten können wir gar nicht sehen, vielleicht nur erahnen in der Hoffnung, dass die Zuchttaube auch besitzt. Sind es nicht die Eigenschaften, die man gar nicht sieht, die die guten Renner von den weniger guten unterscheidet?

 

Kreuzungen, z.B. nach dem Motto „öfter Mal was Neues“ oder „Gut an Gut“

Damit sind wir eigentlich auch schon bei dem nächsten Thema, dem Kreuzen, aber nicht wie zuvor von zwei engen Linien. Nein, die Verfechter der Kreuzungstheorie, sehen ihre Zucht unter der Prämisse „öfter Mal was Neues“ oder einfach „gut an gut“.

Diese Sportfreunde führen als Gegenargumente zur Inzucht regelmäßig Degeneration der Ausgangslinien und somit Rückgang der Leistungsfähigkeit an. Was ja nach ihrer Auffassung bei Kreuzungen nicht auftauchen kann. Im Gegenteil Kreuzungen sind viel vitaler, vor Gesundheit strotzend und auch ausdauernder.

Nach dem Motto „öfter Mal was Neues“, wird dann mit neuen Moderassen oder ausländischen Neueinführungen z.B aus Holland oder Belgien geprahlt. Wobei auch hier der Preis dann schon betont wird, weil es immer noch in den Köpfen steckt, was nichts kostet ist auch nichts wert.

So soll es auch schon vorgekommen sein, dass geschenkte Tauben gar nicht die nötige Wertschätzung bekamen und somit auch nicht die Möglichkeit ihren Zuchtwert zu entfalten. Gut, dass es auch anders Denkende gibt, zu denen auch ich gehöre. Die wissen; die richtig Guten bekommt man oft umsonst.

Wie hat ein kluger Züchter bereits vor Jahren behauptet, Freundschaften muss man pflegen, das kann ich nur bestätigen. Es gibt uns die Möglichkeit auch immer wieder Tiere zu tauschen. Hier gilt dann wohl, wer nichts gibt kann auch nichts bekommen. Soll heißen, wenn ich keine Guten gebe, dann werde ich auch keine Guten erhalten. Ich behaupte, Tauben die ich meinen Freunden gebe, sollten mir wehtun, denn das sind welche, die ich auch gerne für mich behalten hätte, also bestimmt nicht die Schlechtesten.

Wen wundert´s, dass wenn immer neue Zuchttauben gekauft werden, auch schon mal gutes Geld in den Sand gesetzt wird. Zu solcher Denkart gehört eben auch, dass die Neueinführung einer bekannten Rasse angehört und wohlklingende Namen das Papier füllen, was jedoch nicht gleichzusetzen ist mit „gut“ im Sinne von Leistung.  

Ein Hoch für den, der in seinen Schlägen schon echte Asse sitzen hat, der kann sich bei solchen Diskussionen zurücklehnen und behaupten, dass er auch kreuze und zwar die Guten mit den Guten. Das klingt ein wenig sarkastisch und sollte auch nur das Thema etwas anheizen. In der Tat gibt es aber Züchter, die nach dem Schema verfahren und „Gut an Gut“ paaren. Hier stellt sich aber gleich die Frage, wie definieren diese Spezialisten gut. Bei manchen beginnt gut bereits bei vier Preisen, andere definieren acht oder zehn Preise als gut. Worauf ich hinaus will, aus Tauben die vier Preise bei zwölf und mehr Einsätzen fliegen, kann ich wenn sie untereinander gepaart werden, keine Leistungstauben erwarten, die zweistellig fliegen. Gleiches gilt wenn es sich um Schwanzpreise handelt, die werden auch unter normalen Umständen keine 1. Preisflieger bringen.

Bei dieser Betrachtung, werden sich natürlich auch welche zu Wort melden, bei denen das schon gelungen ist. Schön! Hier kann ich nur sagen, es gibt keine Regel ohne Ausnahme, aber die Ausnahme ist wohl nicht die Regel.

Wer so die Erfolgsleiter hochsteigen möchte, der wird von vornherein scheitern. Im Gegenteil wer immer Mittelmaß paart und mit dem weiter züchtet, der wird nur noch mehr das Mittelmaß verankern und festigen bis hin zu einer gewissen Dominanz. Was bedeuten kann, dass gar bei Kreuzungen mit echten Cracks deren positiven Eigenschaften überdeckt werden. Schon oft konnte ich lesen, dass die Neueinführungen ihre Qualitäten erst in der Enkelgeneration gezeigt hätten. Vielleicht war hier genau das Vorgenannte, der springende Punkt. Das positive dabei ist, diese Züchter haben wenigstens noch die Kurve bekommen.

 

Zufall, einfach nach Gefühl oder die Richtigen finden sich selbst.

Das Ganze hat – wenn mir die Feststellung erlaubt sei – auch ein bisschen mit „Zufall“ zu tun, was uns nun zu denen führt, die letztendlich die Zucht dem Zufall überlassen. Von diesen Liebhabern wird oft angeführt, dass bei Paaren die sich selbst finden die Bindung stärker ist und somit die Nachzucht besser wäre. Ich selbst würde das nicht bestätigen wollen, obwohl auch bei uns die Reisetauben sich ihre Partner selbst suchen dürfen. In diesem Fall, kann ich mir schon vorstellen, dass es den Heimkehrwillen verbessern könnte.

In der Zucht finde ich das aber weniger zielführend. Ich denke nur an die eventuellen ungünstigen Verwandtschaftsverhältnisse, aber auch an die körperlichen Merkmale die nicht immer zu einander passen. Sicherlich ist es ihnen aufgefallen, dass ich die Halter von Brieftauben eher den Liebhabern zuordne. Unter Zucht  verstehe ich ein kontrollierte Fortpflanzung und damit das Erreichen eines festgelegten Zieles, was in unserem Fall die leistungsfähige Allroundtaube sein sollte.

Sicher hat aber jeder von uns auch schon die Zufälle in der Zucht erlebt, die zwar nicht gleich erklärbar waren, aber dennoch echte Topper hervorgebracht haben. Was mir hier spontan einfällt, sind die doch nicht wenigen Fremdbefruchtungen, die nicht oder nicht immer gleich erkannt wurden. Ich glaube nicht, dass das System „Zufall“ in unserem Sport auf Dauer, aber auch kurzfristig, die großen Erfolge bescheren kann.

Im Vorspann habe ich versucht ihnen drei der meist diskutierten Zuchtwege, wie sie an den Stammtischen vertreten werden, aufzuzeigen. Sicher gibt es dazu noch viele andere Meinungen. Ich erhebe auch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, für das was ich hier aufgezeigt habe. Sicher könnte man noch Vieles anführen oder ergänzen.

Was ist aber nun der beste Weg, der uns nach Rom - in unserem Fall – in der Zucht zum Erfolg führt?

Ich behaupte es gibt ihn nicht, den Königsweg, der in jedem Fall Erfolg garantiert. Meines Erachtens haben alle Zuchtmethoden ihre Vor- und Nachteile und letztendlich sind die Launen der Natur nicht vorhersehbar.

Dennoch will ich noch ein paar Anmerkungen oder auch gut gemeinte Ratschläge anbringen.

Heute haben wir bei unseren Brieftauben teilweise schon ein Niveau bei der Leistung erreicht, das sich nur noch schwer verbessern lässt. Inzucht, egal in welcher Form auch immer, ist nach meiner Auffassung heutzutage bei der Zucht von Ausnahmeathleten, Brieftauben die sich durchsetzen können, eher contra produktiv. Das Märchen von der Hybridisierung hat sich nicht bewahrheitet. Erinnern sie sich; fallen Ihnen Champions aus den letzten 20 Jahren ein, die durch die Kreuzung zweier reinen Inzuchtlinien, gezüchtet wurden. Mir fallen spontan keine ein.

Wer heute noch mit reinen Stämmen oder Rassen Inzucht betreibt, und meint er könnte damit auch noch einen Blumentopf gewinnen, der irrt sich gewaltig. Diese Züchter treten auf der Stelle und werden im besten Falle Mittelmaß erreichen.

Die Manie mit Rassen und den oft damit verbundenen Top-Vererbern, wie das in Deutschland noch oft gepflegt wird, vernebelt so manchem Züchter einfach den Blick für das Wesentliche.  Die Champions und Asstauben  der letzten Jahre sind aus Kreuzungen entstanden, darüber sollten wir uns klar werden. Vielleicht taucht in derer Pedigrees auch die eine oder andre Ausnahmetaube zwei Mal auf, aber dann war es auch in der Regel ein bewiesener Champion und vermutlich noch besserer Vererber.

Ich möchte nicht behaupten, dass es ganz ohne Inzucht, egal in welcher Form, gehen wird, aber der Rassekult ist dabei nicht der richtige Weg. Es spricht nichts dagegen, eine enge Familienzucht zu betreiben, aber hier müssen die Leistungs- und Zuchtqualitäten im Vordergrund stehen und nicht die Rassen.

Klar ist auch, dass die Erfolgreichen unter uns, auch ihre eigene Sorte pflegen und zusammen halten, aber sie sind auch immer auf der Suche nach Verstärkung durch entsprechende Passer. Sie werden sich nicht hinreißen lassen, Tauben nur wegen des Namens oder der Rasse zu kaufen. Nein, die orientieren sich an der Leistung und das am liebsten über mehrere Generationen. Sie wissen, dass man sich nur mit Tieren verstärken kann, die besser als die Eigenen sind. Sie versuchen so nah an der Quelle wie möglich zu schöpfen oder gar das Ass zu bekommen. Bei denen ist das Kreuzen  - „Gut mit Gut“ – was sie nach vorne gebracht hat. 

So stelle ich mir Verstärkungen für den Zuchtschlag vor; eine Taube mit enormem Leistungshintergrund. Und trotzdem ist noch nicht sicher, ob sie die Siegergene auch weitergibt.

 

Bei Neueinführungen, selbst wenn ich das Vorgenannte zur Leistung berücksichtige, ist keiner in der Lage vorherzusagen, ob das Tier auch in der Zucht die Siegergene weitergibt. Hier gilt es dann recht bald den Zuchtwert zu erkennen und entsprechend zu nutzen. Ich behaupte, wenn es ein Vererber ist, zeigt er das in den ersten Zuchten und wenn nicht, muss ich ihn nicht jahrelang probieren. Wer hier zu lange abwartet, wird nicht weiterkommen und hemmt unnötig sein züchterisches Weiterkommen. Der Zuchtbestand wird dann vielleicht größer aber nicht besser.

So manchem von uns kam auch der Zufall zur Hilfe,  der ihn dann auf die richtige Spur gebracht hat. War es doch Zufall, den Top-Vererber früh zu erkennen und sich seiner Vererbungskraft zu bedienen. Direkte Kinder und Enkel waren es, die diesen Zuchtfreund an die Spitze seiner Vereinigung katapultierten. Und so lange das Ausnahmetalent die Zucht dominierte, konnte sich sein Besitzer vorne etablieren. Der Zufall kam ihm zur Hilfe, aber wenn er nun diesen Vorteil nicht zu nutzen wusste und er  es nicht verstand, diese Familie zusammen zu halten, vielleicht noch durch die richtigen Passer zu verstärken, landete er auch bald wieder auf dem Boden der Tatsachen. Schon viele Sportsfreunde hatten das Glück, aber konnten es nicht festhalten.

Zum Abschluss noch ein Fazit für die Interessierten, die noch in der  Erfolgsleiter nach oben klettern möchten.Alle Wege, unsere Zuchtmethoden zusammen, werden dem Tüchtigen den Erfolg bescheren. Es gibt ihn nicht, den einen Weg in der Zucht, der unweigerlich zum Ziel führt.

Nicht die Rasse ist entscheidend und schon gar nicht, wenn über viele Generationen keine Leistung mehr erbracht wurde. Namen sind Schall und Rauch, einzig die Leistung zählt auf dem Weg nach oben.

Wer meint über die Menge könnte er sein Ziel schneller erreichen, wird enttäuscht sein. Viele Widrigkeiten werden ihm den Weg versperren. Die Menge kostet Geld, sie lässt sich nur schwer überblicken, macht mehr Arbeit und ist unter Umständen auch anfälliger für Krankheiten. Kleine überschaubare Bestände, sind besser zu händeln, lassen sich eher gesund halten, sind kostengünstiger und geben mehr Zeit sich an dem Hobby zu erfreuen. Weniger, ist in unserem Fall, unter Umständen mehr.

Die richtigen Ergänzungen, sei es durch Kauf oder Tausch, sind es, die uns weiterbringen. Tauschen ist die günstigste Variante, dazu braucht man echte Freunde, bei denen man sich auch verstärken kann. Wer sich für den Kauf entscheidet, sollte auf jedem Fall die Leistung im Blick haben und weniger den wohlklingenden Namen oder die Rasse. Hier bieten sich nach wie vor – so wussten schon die „Alten“ zu berichten – Spätjunge an. Die Angebote sind preiswert und - wenn ich möchte - aus den Besten. Sowohl aus den Zuchtschlägen als auch aus den Reiseschlägen wird hier das Beste vom Besten angeboten. Im Zweifelsfall lohnen sich hier auch Vorbestellungen.

Bevor ich anfange mir einen Stamm aufzubauen, muss ich Leistungstauben züchten und erst nachdem die Leistung stimmt, kann ich gegebenenfalls diese durch Inzucht versuchen zu festigen. Alle meine Tauben müssen immer auf „Herz und Nieren“ getestet werden und das geht nur über den Reisekorb. Im Vordergrund steht die Leistung und die kann ich nur durch Widerstandskraft, Gesundheit und den eisernen Willen zur Heimkehr  meiner Himmelsstürmer erreichen. Und wer diese Grundvoraussetzungen zur Leistung nicht mitbringt, hat keinen Platz auf meinem Schlag.

 

 

Ergänzung zu Vererbungsgesetze und Launen der Natur

Folge 4

 

 

Gibt es sie, die äußeren Merkmale an denen ich einen echten Topper erkennen kann?

 

 

 

 

 

 

Diese Frage ist eigentlich schon so alt als ich im Brieftaubensport denken kann und wahrscheinlich noch älter. Viele haben sich mit diesem Thema schon beschäftigt und so gibt es dann immer wieder die selbsternannten Spezialisten, die uns in den Glauben versetzen wollen, unsere Brieftauben in der Hand nach ihrer Qualität beurteilen zu können. Ich gebe gerne zu, dass auch mich solche Leute immer schon fasziniert haben, wenn ich ihnen beim Qualifizieren der Tauben zugesehen habe. Natürlich gibt es auch unter ihnen welche, die eine sehr hohe Trefferquote haben und die wirklich Guten auch schon oft genug herausfinden konnten. Aber woran machen sie das fest?

Ich selbst vertrete die Meinung, dass es in jedem Stamm oder auf jedem Schlag es Vertreter bestimmter Merkmale gibt, die die Vermutung zulassen, dass diese Tauben zu den Guten gehören. Das heißt aber sicherlich im Umkehrschluss nicht, dass welche die diese Zeichen nicht aufweisen, Schlechte sein müssen.

Zurück zu den super Klassifizierer: Hier sehe ich die Erfolgsquote darin, dass sie bei den Stämmen und Schlägen die vielleicht schon öfter nach ihrer Theorie ausgelesen wurden oder auch Tauben der Klassifizierer  eingepaart wurden, am höchsten. Bei den Züchtern, welche ständig neue Tauben einführen, somit fast immer kreuzen und keinen bestimmten Typ favorisieren, liegt die Trefferquote dann eher weniger hoch.

Vor einigen Wochen, als ich ein bereits in die Jahre gekommenes Buch gelesen habe, stieß ich auch dort auf ein den äußeren Merkmale gewidmetes Kapitel. Immerhin liegen die dort aufgezählten Merkmale schon 50-60 Jahre zurück. Aber trotzdem möchte ich behaupten, dass die Aufzählungen auch aus der heutigen Zeit stammen könnten.

Nachdem die meisten von Ihnen nun wohl doch etwas neugierig sein könnten, will ich ein paar interessante Weisheiten, die ich gelesen habe, hier aufzählen und ab und an meinen Senf dazugeben.

Die Anzahl der Schuppenreihen an den Beinen zählen?

Die Gaumenspalte: Es gibt welche, die eine weitgeöffnete Gaumenspalte vorziehen, aber auch viele die eine fast geschlossene suchen.

Die Zunge: Hier gibt es Liebhaber die nur Tauben möchten, die beim Öffnen des Schnabels die Zunge hochrecken und andere möchten Tauben, die die Zunge in der unteren Schnabelhälfte liegen lassen.

Manche bevorzugen hohe, runde Köpfe, während andere einen flachen Kopf wollen.

Einigen kann der Schädel nicht breit genug sein; andere schwärmen für einen schmalen.

Das Auge, die Augenfarbe, der Wertring oder gar die Beschaffenheit der Iris. Hier gibt es zig Abhandlungen, ja ganze Bücher und viele Spezialisten die dieses Thema beschreiben. Für mich gilt, dass ich gerne schöne Augen, mit viel und intensiver Farbe, sowohl weiß,  gelb oder rot sehen möchte. Tauben ohne oder einem unter-brochenen Wertring finden bei mir keine Verwendung in der Zucht. Das ist aber eigentlich bei mir auch kein Problem, denn ich habe noch kein gutes oder sehr gutes unserer Reiseasse gesehen, dass meine Forderungen an ein  gutes Auge nicht erfüllen könnte. Was heißen soll, aus meiner Sicht haben die Guten auch gute Augen. Für mich gilt der Spruch: Die Augen spiegeln die Gesundheit und Qualität einer Taube. Bei Tauben die gesund sind und in formkommen arbeitet das Auge. So erklärt sich auch die Suche mancher Züchter nach der kleinen Pupille. Bei gesunden Tauben muss die Pupille bei entsprechendem Lichteinfall einfach reagieren und sich verkleinern, sonst stimmt was nicht.

 

Das Auge einer überdurchschnittlichen Reisetaube, welche dann auch in der Zucht Akzente setzen konnte.

Die Farbe oder Größe der Augenränder sind für manche Züchter von Bedeutung. Klar bei weißen Rändern kann ich an der Intensität des Weißes den Gesundheits-zustand ablesen, aber ich orientiere mich da lieber an den Nasenwarzen. Inzwischen  gehören bei unseren Rennern auch die groben Augenränder der Vergangenheit an.

Der Schwanz: Heute wünscht man sich - das von oben gesehen - er nur eine Feder breit ist. Das es früher Züchter gab, die einen Fächerschwanz suchten ist heute eigentlich nicht mehr vorstellbar; alleine schon wegen der  Aerodynamik. Wenn der Schwanz in eine Feder mündet und sich entlang der äußeren Federn beidseits noch eine kleine Dachrinne bildet, dann ist das für mich ein gutes Zeichen.

Die Farbe der Schwanzfedern spielt bei einigen Züchtern eine Rolle, so suchen sie Tauben die weiß in den äußeren Schwanzfedern haben. Mir gefällt es, wenn die Schwanzbinde intensiv bis ans Ende die Zeichnungsfarbe trägt. Je intensiver umso lieber ist es mir. Intensive Farben sind für mich ein Zeichen von Ausdauer, Kraft und Widerstandsfähigkeit.

Die Flügel haben in der Vergangenheit bis heute schon immer eine große Rolle gespielt. Das verstehe ich, denn mit Sicherheit ist der Flügel einer Taube eines ihrer wichtigsten Werkzeuge. Hier wurde auch – wie bei den Augen – bereits vieles geschrieben und ganze Bücher gefüllt. Die Haltung der Flügel ist wohl eher uninteressant, hatte aber in der Vergangenheit, bei einigen Züchtern auch eine Rolle gespielt. Hier möchte ich nur darauf hinweisen, dass Tauben mit hängenden Flügeln vielleicht Anlass zur Sorge sein sollten, da es Anzeichen einer ernsthaften Krankheit sein könnten. Grundsätzlich interessiert aber auch mich der Flügel. Es beginnt mit einem kurzen Oberarm und geht weiter mit der Abdeckung des Hinterflügels zum Körper. Sollte zwischen dem Körper und dem geöffneten Flügel eine Lücke ent-stehen, dann finde  ich, dass diese Tiere beim Fliegen über weitere Strecken Nachteile haben. Weiterhin wünsche ich mir einen kurzen Hinterflügel, der sich mit einem leichten Sprung, der Decalage, zum Vorderflügel absetzt. Auch kann ich mit breiten, borstigen (nicht geschmeidigen)  Handschwingen nur wenig anfangen. Am liebsten sehe ich, wenn die letzten 4 Schwingen langezogen und mit ihrer Form auch beim Öffnen des Flügels eine gute Ventilation zulassen.

 

 

Der Flügel eines Spitzenfliegers. Bei der Aufnahme war die letzte Schwinge noch nicht ausgewachsen.

Was auch immer schon ein Thema war, sind die Farben. Es gibt und gab schon immer Züchter die wollen keine Schecken. Warum? In ihren Augen kann man nichts lesen sagen z.B. die Augenfanatiker. Je heller der Schecke umso mehr fallen sie den Raubvögeln zum Opfer ist ein weiteres Argument. Andere bevorzugen Hellge-hämmert, die Nächsten möchten Dunkelgehämmerte, aber auch gibt es welche, die den Roten beste Eigenschaften zusprechen. Mir ist die Grundfarbe eigentlich egal, auf jeden Fall sehe ich als wichtig, dass die Tierchen eine richtig satte Farbe zeigen. Je intensiver umso lieber! Mit der Schwanzbinde habe ich bereits eine Möglichkeit die Intensität der Zeichnungsfarbe zu erkennen aufgezeigt. Schimmel hatten von je her den Ruf ein samtweiches Gefieder zu haben, was ich nicht bestreiten kann, aber hier nicht weiter kommentieren möchte.

Die Größe hat auch immer schon zu kontroversen Meinungen geführt und wird wirklich auch schon seit Gedenken diskutiert. So gibt es Liebhaber die mit kleinen Täubchen wohl nichts anzufangen wissen und gerne den Großen die besten Eigenschaften andichten. Und dann gibt es da noch die Leute, die das Beste immer im Mittelmaß vermuten. Ich persönlich konnte feststellen, dass es wohl in allen Größen richtig Gute gibt. Wenn ich aussuchen kann, dann tendiere ich aber eher zum Mittelmaß.

Vergessen möchte ich auch nicht die linken und die rechten Tauben. Was ist das denn? Die gibt es wirklich! Bei den Schwanzfedern gibt es den Unterschied, dass die linke oder rechte Fahne etwas breiter bzw. schmäler ist. Und je nachdem welche Feder oben liegt, sind es linke oder rechte Tauben. Ich wollte und kann es auch nicht glauben, was das mit dem Zuchtwert zu tun haben soll. Aber es gibt Züchter, die das beachten und keine gleichen zusammenpaaren.

Zurück in der Gegenwart: Hier gibt es auch interessante Entwicklungen, bei denen immer wieder Merkmale zur Klassifizierung herangezogen werden. So findet man mittlerweile z.B. bei Internetauktionen – bei denen auch schon Mal, für mich schwindelerregende Summen geboten werden -  Informationen zur Qualität der Tauben. Hier werden Merkmale beurteilt, welche aber eigentlich auch nicht unbedingt neu  sind. Ich will von diesen Qualitäten auch noch ein paar aufzeigen und bei manchen auch nicht mit meiner Meinung hinterm Berg halten.

Beginnen will ich damit, dass hier die Vitalität angeführt wird. Nichtdass sie mich da falsch verstehen, die Vitalität einer Taube ist äußerst wichtig, auch für mich. Aber wenn ich dann z.B. lese „stark“, dann kann ich mir eher nichts darunter vorstellen. Gewiss ist aber doch, wäre eine der angebotenen Tauben nicht vital, dann hätte sie in einer Auktion auch nichts zu suchen. Oder?

Das Brustbein und die Stellung sowie Stärke der Legebeine: Ganz sicher werden wir fast alle hier ein gut geschlossenes Becken mit festen Knochen des Legebeins und dem entsprechenden Brustbein suchen und bevorzugen. Für mich zählt das einfach bei einer schönen Taube – so auch im Standard festgelegt - dazu. Genauso wollen wir immer noch den festen Rücken, obwohl bei den echten Assen schon viele mit einem weniger starken Rücken zu finden waren.

Ein Punkt der mich doch immer wieder in Erstaunen versetzt sind die Muskeln, bei der Beurteilung liest man dann salopp schon mal  „geschmeidig“. Was soll ich mir nun darunter vorstellen? In manchen Foren wird auch darüber diskutiert, ob es die kurzen, die langen oder welche, die sich aufpumpen wie Fahrradschläuche, sein sollten. Ich selbst kann damit nur wenig anfangen, da ich das Ganze eher der Gefühlswelt zuschreibe. Will ein Beispiel machen was ich meine. Es gibt Leute die haben große Hände und es gibt welche mit kleineren Händen, dann gibt es welche, mit viel Gefühl und welche mit weniger gutem Gefühl in den Fingerkuppen, so wird auch jeder von ihnen vielleicht was anderes fühlen.

Und genauso verhält sich meiner Meinung nach auch die Diskussion über weiches Gefieder. Jeder kann hier eine andere Wahrnehmung haben. Möglich halte ich hier aber trotzdem, dass die Meisten – wenn auch unterschiedlich in den Nuancen – das bessere und weichere Gefieder  herausfinden werden. Hierzu möchte ich jedem raten – wenn möglich – viele Tauben in die Hand zu nehmen; es können auch gerne die eigenen sein. Ich meine bereits festgestellt zu haben, Tauben mit einem klasse Gefieder, gehören eigentlich immer zu den Guten.

Auch werden oft die Zuchtfedern oder Herzfedern als Qualitätsmerkmal angeführt. Ich schaue mir diese kleinen Federchen gerne an und erlaube mir  auch ein Urteil. Während viele die Form als das Allseligmachende ansehen, interessiert mich doch mehr die Beschaffenheit. Dies sagt mir mehr über den derzeitigen Zuchtwert. Ich meine, dass Tauben mit Macken oder Verkümmerungen an diesen Federn sich nicht unbedingt in Zuchtform befinden.

 

 

Herzfedern ohne Macken, sehr schön ausgeprägt mit gutem Abschluss.

Sicherlich gibt und gab es auch noch viele Merkmale die zur Beurteilung von Brieftauben herangezogen werden oder wurden. Trotzdem bin mir sicher, dass keines der Merkmale uns in die Lage versetzt mit Sicherheit die Guten von den Schlechten auszulesen. Bei jedem Merkmal wird es immer Ausnahmen von der Regel geben.

Um die Guten von den weniger Guten zu trennen, gibt es meiner Erfahrungen nach, nur einen Klassifizierer der in die Lage ist, uns das abzunehmen und das ist der Reisekorb. Der hat seine eigene Dynamik die Geeigneten von den weniger Geeigneten zu unterscheiden. Und wenn die Tiere sich während mehrerer Flüge als Topper klassifiziert haben, dann und wirklich erst dann, macht es Sinn sich mit den vorgenannten Eigenarten zu beschäftigen.

Zum Schluss will ich aber nur jedem raten sich auf sein Wissen und seine Wahrnehmungen zu verlassen, denn keiner sollte ihre Tauben besser kennen als sie selbst. Züchten sie ihren Stamm und die Tauben die ihren Vorstellungen entsprechen und lassen sie sich nicht durch die selbstgekürten Klassifizierer davon abbringen.

Der Korb wird ganz bestimmt „die Spreu vom Weizen“ trennen und Sie entscheiden dann, welche ihren Vorstellungen entsprechen.

  

Folge 3

 

 

 

 

Farbvererbung Brieftauben

 

"Farbige" fliegen nicht!

 

 

Oder warum kann es nichts schaden, Grundkenntnisse der Vererbung zu erlangen?Nachdem ich mich schon viel mit Genetik, hauptsächlich Farbvererbung verschiedener Tierarten, beschäftigt habe, war es natürlich ein Muss für mich auch die Farben bei Brieftauben unter die Lupe zu nehmen.

Auch ist es mir bekannt, dass die Farben bei den Brieftauben „nicht fliegen“, also somit für den größten Teil der Sportsfreunde es keine wesentliche Rolle spielt, welche Farben seine Schützlinge haben. Bunte Brieftauben, mit eher seltenen Farben, werden auch von den meisten Sportsfreunden gemieden; ihnen traut man vielleicht auch keine Leistung zu. Natürlich gibt es auch den Glauben, dass solche Farbtauben ein gefundenes Fressen für Raubvögel sind, was es nicht unbedingt zu leugnen gilt. Ich finde dennoch schadet es nichts Grundbegriffe der Vererbung mal gehört zu haben und bei Interesse zu verinnerlichen.

Was vielleicht vielen von uns noch aus der Schulzeit in Erinnerung ist, sind die Mendelschen Regeln der Vererbung. Und genau diese will ich mal bei der  Farbvererbung unserer Brieftauben anführen:

 

Die Gleichförmigkeitsregel (Uniformitätsregel)

 

Hier passt am bestens das Beispiel mit den Blaubindigen, welche

aber auf jeden Fall auch reinerbig sein müssen, damit die Mendelsche Regel aufgeht. Bei einer Verpaarung von zwei Blauen, kann die Nachzucht eigentlich nur blau sein. Die einzelnen Binden können variieren bis hin zum Ansatz einer dritten Binde.

Was bringt uns nun dieses Wissen in der Praxis? Beispiel: ich habe ein Paar Blaubindige zusammengestellt und unter der Nachzucht befindet sich nun plötzlich auch ein Gehämmertes Jungtier und das wird auch noch ein richtig Gutes. Wir müssen uns dann leider bewusst sein, dass die Mutti fremdging und der oder die Gute gar nicht von dem schönen Blauen ist. Nach der Gleichförmigkeitsregel kann ja eigentlich nur  zu 100%  blaubindige Nachzucht fallen. Diese Regel gilt, was die Binden betrifft, auch bei den Fahlen. 

Die Spaltungsregel

 

Diese bezieht sich auf ein Zahlenverhältnis (1:2:1) der ersten Generation

von Kreuzungen zwei verschiedener Merkmale. Nehmen wir das Beispiel

einer gehämmerten gepaart mit einer blaubindigen Taube. Auch hier ist die Voraussetzung, dass die Ausgangstiere reinerbig sind.  Es werden in der ersten Generation nur  gehämmerte Tauben fallen, die aber wiederum spalterbig in blaubindig sind. Diese spalterbigen Tiere dann miteinander verpaart bringen im Verhältnis 1:2:1 folgende Nachzucht:  eine Gehämmerte (reinerbig), zwei Gehämmerte (spalterbig für blaubindig) und eine Blaubindige (reinerbig).

Diese Erkenntnis bringt uns in unserer Zucht bei Blauen und Gehämmerten nicht unbedingt weiter, wird aber wieder interessant wenn wir später den rezessiven Erbgang der roten Meulemänner näher betrachten.

 

Die Unabhängigkeitsregel

 

Eine bei uns Brieftaubenzüchtern wohl am häufigsten zutreffende Regel, denn die Eltern unterscheiden sich in mehreren Merkmalen und müssten so für jedes Merkmal nach der Regel 2 (Spaltungsregel) dargestellten Verhältnissen

betrachtet werden. Macht sicherlich für uns, was die Farbe betrifft, nur wenig Sinn.

 

Was sicherlich Sinn für uns macht, sind die einzelnen Erbgänge und hier will ich ebenfalls die wichtigsten unsere Zucht  in Bezug auf Farbe und Merkmale beschreiben.

 

Dominante Vererbung

 

Alle Farben und Merkmale unserer Tauben stehen in einem bestimmten Verhältnis zu einander. Beispiele: Gehämmert ist dominant über blaubindig, weshalb aus zwei Blauen auch keine Gehämmerte fallen können. Das Beispiel wurde bereits unter der Gleichförmigkeitsregel erörtert.

Farbauge ist dominant über Glasauge, der Grund dafür, dass aus zwei Glasaugen keine Farbaugen fallen können. Bedeutet für die Praxis, falls sie Glasaugen zusammensetzen, dass anfallende Farbaugen nicht aus dem Paar sein können und wenn sie noch so gut sind  - der Vater ist ein Farbauge.

Dominant rot ist dominant über die schwarzen Grundfarben, wie blau, schwarz, dunkel, gehämmert – hier nur die wichtigsten aufgezählt. Diese untereinander gepaart können keine „Dominant Rote“ kommen. Ist hier in der Zucht doch einmal ein dominant rotes Tierchen dabei, dann sollten Sie davon ausgehen, dass einer Ihrer dominant roten Vögel der Vater ist. Unterscheiden müssen Sie aber auch zwischen dominant und rezessiv rot.

Alle schwarzen Grundfarben (siehe Aufzählung oben) sind dominant über rezessives Rot. Typische Vertreter für rezessives Rot sind die „Braunen oder ziegelroten Meulemans“, womit ich dann überleiten möchte zur rezessiven Vererbung.

 

Rezessive Vererbung

 

Grundsätzlich kommen die rezessiven Farben/Merkmale nur zum Vorschein, wenn der Partner diese auch in der Erbmasse hat, also spalterbig dafür ist. Hier kommt nun wiederum auch die Spaltungsregel in Betracht.Bleiben wir bei den Meulemans: Hier waren schon viele verwundert, wenn aus zwei blauen oder gehämmerten ein „braunes“, rezessiv rotes, Jungtier in der Schale lag. Einer der bekanntesten und sicherlich auch besten Spalter war zu seiner Zeit der „Kadet“.

Aus zwei rezessiv Roten fallen zu 100% nur rezessiv Rote. Allerdings rate ich grundsätzlich von der Verpaarung zweier  rezessivfarbener Tauben ab, möchte aber in diesem Beitrag nicht auf meine persönlichen Erfahrungen näher eingehen.Auch die Schalies gehören zu den rezessiven Farben und vererben entsprechend. Hier sollte man aber noch zwischen bindig und gehämmert unterscheiden. Gemeint sind nicht aber die Indigos, welche bei vielen Unwissenden schon mal als Rotschalies bezeichnet werden, denn diese unterliegen dem intermediären Erbgang.

 

Drei rezessiv rote Meulemänner 

 

 

Intermediären Erbgang

 

Meistens vererben diese Farben in der Regel auch dominant gegenüber anderer Farben. Wichtig ist, die Farbe ist bei den Ausgangstieren vertreten oder nicht, eine Spalterbigkeit gibt es hier nicht.

Der wohl bekannteste Faktor ist hier die Schimmelfarbe, welche dominant intermediär vererbt. Hier gibt es oft die Mischung zwischen Schimmel, Tigern (einem weiteren Schimmelfaktor) und auch Schecken. Oft können die Ausgangstiere hier nicht genau zugeordnet werden. Aber von allen gibt es keine Träger, also für diesen Faktor spalterbige Tiere. In der Praxis: Wenn dennoch aus „fast“ unifarbigen Tieren Schecken oder Schimmel fallen, dann ist es vielleicht der weiße Zeh oder eine weiße Feder, die einen Hinweis für den Schimmel- oder Scheckungsfaktor gibt.

Rotschalies, wie bereits oben erwähnt, die farbtechnisch gar keine sind, sondern meistens Indigos, vererben ebenfalls intermediär. Auch wurden diese irrtümlich schon als Fahle bezeichnet.

Diese Verwechslungen führen dann bei den versierten Züchtern auch mal zu Irritationen. Mit den echten/richtigen Fahlen will ich noch zu einem weiteren interessanten Erbgang kommen,

Schimmel, Tiger oder Schecken?

Variationen von indigofarbigen Brieftauben. Keine Rotschalies!!!

 

Geschlechtsgebundene Vererbung

 

Dieses Phänomen gibt es eigentlich nur bei den dominant Roten, aber auch bei mit dominant rot kombinierten Farbenschlägen, wie z.B. Rotschimmel, Rotschecken oder echten Rotschalies.

Ist die Ausgangspaarung geschickt gewählt, bietet es die Möglichkeit die Geschlechter schon frühzeitig zu 100% zu bestimmen.  Beispiel: Paare ich ein schwarzgrundiges Männchen (blau, gehämmert, schwarz usw.) und eine dominant rote Täubin (fahl, rotgehämmert usw.) zusammen, so sind bei der Nachzucht die schwarzgrundigen die Weibchen und die rotgrundigen die Männchen. Sollte die Nachzucht nicht so ausfallen, dann haben die Kinder wohl einen anderen Vater. Dominant rote Männchen, die reinerbig für das dominante Rot sind – man erkennt sie meisten an den sogenannten Mehlköpfen und dem hell hornfarbigen Schnabel, bringen in der ersten Generation nur dominant rote Nachzucht beiderlei Geschlechts. Je nachdem welcher Farbe das Weibchen war, rot- oder schwarzgrundig,  sind die jungen Männchen leicht an den schwarzen Tintenflecken zu erkennen. Diese Tintenflecke sind das Zeichen für Spalterbigkeit und können nur bei den Täubern auftreten.  

Zum Abschluss noch ein Beispiel: Fahles Weibchen (zweibindig) und blaues Männchen (zweibindig) gepaart und im Nest liegen zwei gehämmerte Jungtauben. Ist das richtig? Nein, hier müssen sie auf jeden Fall die Gleichförmigkeitsregel anwenden, hier kann der Vater nicht der Blaue sein.

 

Natürlich ist das Thema Vererbung mit diesem kleinen Beitrag noch lange nicht ausgeschöpft, es gäbe noch einiges darüber zu berichten. Zuchtmethoden, wie z.B. Linienzucht, Familienzucht oder Kreuzungen sind interessante Themen, die man noch aufgreifen könnte.

Mir ist es mit diesem Beitrag wichtig, wenige Grundkenntnisse zur Vererbung weiterzugeben, die es dem interessierten Züchter ermöglichen, so manches Rätsel bei der Zucht oder auch auf Abstammungen nachzuvollziehen. Nicht alles ist im Zuchtschlag immer so wie es auf den ersten Blick aussieht.

Mit dem kleinen 1 mal 1 der Vererbung – und ich denke, mehr kann dieser Beitrag auch nicht leisten – ist die Zucht nicht mehr nur dem Zufall geschuldet. Sie sollten nun in der Lage sein, den vermeintlich guten Vererber, der gar keiner ist, weil er eigentlich bisher nur eine Gute gebracht hat, die aber farblich überhaupt nicht zu ihm passt, zu erkennen und auszusortieren.  

In der Zucht gibt es viele Zufälle, was nicht gleich schlecht sein muss, aber es kann nichts schaden solche Zufälle zu erkennen und aufzuklären. Für mich ist die Zucht immer ein Teil vom Zufall geprägt, wobei ein gewisser Teil natürlich sich auch berechnen lässt. Ich will hier noch ein Beispiel anbringen, was mir nicht aus dem Kopf geht. Wenn ich eine der besten Brieftauben der Welt oder nur eine Spitzentaube der RV, die vielleicht 13/13 Preise geflogen hat, klonen würde, würden die geklonten Tauben, die genauso aussehen wie die Ausgangstaube, auch die gleiche Leistung erbringen? Ich bin mir sicher, dass sie sich in der Leistung unterscheiden würden, denn manchmal ist der Zufall, äußere Einflüsse (Wetter, Hitze, Wind, Raubvogel uvm.) oder das Glück für den Preis entscheidend und hat nichts mit der Vererbung zu tun.

Dennoch hoffe ich, den Interessierten einen kleinen Einblick über Zufälle im Zuchtschlag gegeben zu haben. Natürlich ist mir auch bewusst,  dass es Spezialisten und Besserwissende gibt, denen die Ausführungen nicht ausführlich genug sind.

Machen Sie das Beste daraus und denken Sie einfach mal über die Zufälle in Ihrem Zuchtschlag nach ……

 

Folge 2   

 

 

 

 

Vererber oder Blender

 

Mal drüber nachgedacht?

 

 

Beginnen möchte ich das Thema mit den Tauben aus „2. Hand“, vielleicht auch mehreren Händen. Wobei,  dann sind es in der Umgangssprache, so glaube ich, schon Wanderpokale. Spaß bei Seite, diese Verkaufsanzeigen solcher Tauben schmücken sich oft mit Leistungen der Geschwister, Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern. Das ist sicherlich auch legitim. Bei den Wanderpokalen reicht oft schon der Name des Züchters und somit die Abstammung um Aufmerksamkeit zu erzielen. Dem Käufer - so denke ich - geht es bei diesen Tauben eher um eine Trophäe, auch eine Taube des Züchters XY zu besitzen. Sicherlich steht bei dem Kauf nicht immer die Vererbungsstärke an erster Stelle. Sollte er dennoch die Überlegung einer Verstärkung im Vordergrund stehen, dann sollte vielleicht nochmals darüber nach- gedacht werden. Wer gibt schon einen Top-Vererber, auch für viel Geld, einfach ab?  Jeder wäre doch froh einen solchen Vererber sein Eigen zu nennen. Oder?

Was bei diesem Thema auch immer zu verschiedenen Meinungen führt – und das wird schon diskutiert seit ich mich mit Brieftauben beschäftige – ist, wie züchte ich am besten Leistungstauben, also Reiseasse.

 

Linienzucht bis hin zum Inzest,

sehen viele als der beste Weg um ihre Topper auf die Balken zu bekommen. Ich denke, Linienzucht hat seine Vor- und Nachteile. Die wohl jedem Brieftaubenzüchter bekannten Inzuchtstämme der Gebrüder Janssen oder von Karel Meuleman haben schon viele Bücher gefüllt und sind vielleicht die berühmtesten Inzuchtlinen des 20. Jahrhunderts. Linienzucht hat dennoch mehrere Gesichter. Oft sind es die in direkter Linie Eltern mit Kindern (Vater-Tochter oder Sohn-Mutter) Verpaarungen die zum Erfolg führen sollen. Sicherlich eine Möglichkeit das Erbgut zu festigen. Nur weiß keiner welche Merkmale gefestigt werden – die Guten oder die weniger Guten. Ansehen wird man es den Nachkommen eigentlich nicht, zu mindest nicht auf Anhieb. Obwohl man davon ausgehen kann, dass die Nachzucht den Ausgangs-tieren - je stärker die Inzucht - optisch immer mehr ähneln wird. Allerdings wissen wir nicht, ob nun die positiven Leistungsmerkmale gebündelt wurden oder die weniger positiven. Bei uns Menschen gibt es da eine alte Binsenweisheit: Genie und Wahnsinn liegen eng beieinander.  Ich selbst bin bei Leistungszucht,  wie bei unseren Brieftauben, grundsätzlich von der Linienzucht ein wenig abgekommen, trotzdem sehe ich für die auf Schönheit und Aussehen ausgerichtete Zucht von Rassetauben als ein sehr erfolgreiches Zuchtverfahren. Natürlich ergibt sich in bestimmten Konstellationen auch bei mir noch eine enge Familienzucht.

 

Kreuzungen,

von verschiedenen Stämmen oder Linien sind für die, die von der Linienzucht nicht überzeugt sind, das probate System Spitzentiere zu züchten. Auch bei diesen Paarungen gibt es wohl Vor- und Nachteile. Oft hört man in diesem Zusammenhang, dass es am besten ist, gut an gut zu paaren. Das würde ich eigentlich auch so sofort unterschreiben. Was ist aber gut?  Und hier kommen wir wieder unserem Ausgangsthema näher – Vererber oder Blender?

 

Große Namen,

sind sicherlich nicht das Alleinstellungsmerkmal für gut. Auch die Besten unter uns züchten nicht nur gute Tauben. Wenn wir mal davon ausgehen, dass nur ein kleiner Anteil der von uns gezüchteten Schützlinge Gute sind und ein noch geringer Anteil wirklich Gute, echte Asse, dann erkennen wir schon, dass gut nicht gleich gut sein kann. Natürlich kann man davon ausgehen, dass der Prozentsatz bei manchen Stämmen und Spitzenzüchter höher liegt als beim Durchschnitt. Betrachte ich mir aber nun das Angebot von Brieftauben in all den Verkaufsanzeigen, Auktionen und Ausstellungen, dann möchte ich nicht glauben, dass hier alles Vererber oder brauchbare Zuchttauben sind. Nein, hier wechseln auch viele Blender den Besitzer, wobei ich hier in den meisten Fällen keine böse Absicht unterstellen will. Sind es doch oft die großen Namen, die den Reiz für den Käufer ausmachen und die damit verbundene Hoffnung, dass es sich hier um den Top-Vererber handelt.

 

Phantasie und Kreativität bei den Abstammungen,

zählen nach wie vor zu den legitimen Mitteln seine Renner an den Mann oder die Frau zu bringen. Möchte auf keinen Fall das Ganze verurteilen, auch ich sehe gerne mit echter Leistung gefüllte Pedigrees. Aber ich suche die Leistung bei den Eltern oder der Zuchttaube selbst. Formulierungen wie der Vater ist Sohn von dem XY und der hat … geflogen, das erscheint mir dann doch zu weit hergeholt. Da liegen mir dann schon zu viele Tauben, die ihre Leistungsfähigkeit nicht gezeigt haben oder derer sie einfach nicht benannt  wird, dazwischen. Die Chance hier eine echte Zuchttaube zu bekommen erscheint mir doch als sehr gering. Immer interessiert bin ich – falls es meinem Budget entspricht – immer an Jungtieren aus bewiesenen Vererbern oder wirklich guten Leistungstieren. Mein Credo ist: so nah als möglich an die Guten (Basis).

Wenn das nun immer alles die Guten wären, dann wär es doch einfach. Oder? Bei Alttauben – damit meine ich die nicht aus dem gültigen Zuchtjahr sind – bin ich grundsätzlich skeptisch. Warum werden sie abgeben? Sie haben doch, so steht es meist in den Verkaufsanzeigen, prima Nachzucht gebracht und schließlich ist der XY ja ihr Vater, Großvater oder gar Urgroßvater. Nicht dass wir uns jetzt falsch verstehen, ich bin froh, dass es ein großes Angebot an guten und sehr guten Tauben gibt, damit kann die enorme Nachfrage auch abgedeckt werden. Noch ist das Angebot aber weit höher als die Nachfrage. Meines Erachtens könnte man schon alleine dadurch das den Markt in ein besseres Verhältnis bringen, indem man die Tauben, die sich doch schon als für die Zucht nicht brauchbar gezeigt haben, einfach nicht immer weiter anbietet. Ich habe Züchter kennengelernt, die teure, aber nicht für die Zucht geeignete Tauben, selektiert haben, obwohl sie diese hätten wieder teuer verkaufen können. Respekt!!!

 

Blender wie Sand am Meer.

Ist das so? Sicher ist für mich, dass die wenigsten in unseren Zuchten sich tummelnden Tauben, echte Zuchttauben sind. Natürlich ist die Einstufung Zuchttaube auch abhängig davon was der Züchter von ihr erwartet. Ich erwarte grundsätzlich von meinen Zuchttauben, dass sie Leistung, Beständigkeit, Gesundheit und Widerstandskraft an ihre Nachkommen weitergeben. Wäre nun vermessen zu behaupten, dass alle meine Auserlesenen das zu 100% auch tun. Ehrlich, noch nicht einmal zu 50% geben sie das weiter. Aber, und das muss der Züchter oder der sich Züchter nennen will, erkennen, welche bringen zu wenig oder welche sind es die dann doch über dem Durchschnitt liegen.

Machen wir doch mal eine Beispielsrechnung: 20 Zuchtpaare ziehen 100 Jungtiere, von denen 50 überdurchschnittlich im Jungflug fliegen (z.B. bei 5 Einsätzen mehr als 3 Preise). Wir nehmen die 50 mit und spielen sie als Jährige. Ich behaupte, im Regelfall bringen die meisten von uns bei 12 Flügen noch keine 5 Zweistellige hervor. Selbst wenn, dann wären das von den 100 gezüchteten Jungtieren 5 Prozent. Wenn wir nun noch viel Glück haben ist bei den 5 auch noch ein echtes Ass dabei. Also sind wir uns doch sicherlich einig, dass wirklich sehr viele nicht unseren Erwartungen entsprechen und eigentlich Blender sind, denn vor der Reise waren wir sicher, dass es alle super Flitzer werden. Mache ich das Beispiel nun für die Zucht  und es werden z.B. noch100 Sommerjunge gezüchtet, die dann als angehende Zuchttauben verkauft werden. Glaubt mir, auch hier wird die Ausbeute nicht höher ausfallen.

 

Vererber sind die Ausnahme,

aber man muss sie auch erkennen, denn Zuchttauben gibt es viele, wahrscheinlich zu viele. Echte Vererber sind die weißen Raben in unserem Hobby, es gibt sie aber. Sie zu erkennen ist sehr oft schon Zufall gewesen. Sie sind auch nicht immer die nach unseren Vorstellungen im Körperbau perfekten Tauben. Aber das was sie auszeichnet ist ihre überdurchschnittliche Vererbungskraft und die kann man ihnen nicht immer gleich ansehen. Aber wer seine Tauben kennt, sie beobachtet und Buch über ihre Stärken und Schwächen führt, der hat große Chancen die Vererberin oder den  Vererber in seinem Schlag zu erkennen. Natürlich ist bei der ganzen Zuchtarbeit auch ein Wissen zur Genetik nicht schlecht, aber es geht auch anders. Viele unter uns Taubenverrückten interessieren sich nicht für Vererbung und trotzdem sind begnadete Züchter unter denen. Die haben einfach das Händchen dafür gute Tauben zu züchten – so könnte man meinen. Was ist es aber ihr  Geheimnis? Diese Züchter kennen ihre Tiere in- und auswendig, sie kennen die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen ihrer Schützlinge und wenn es um die Auslese geht sind sie gnadenlos. Als ihren besten und engsten Berater sehen sie den Reisekorb, der ist schier unfehlbar, wenn man ihn zu Rate zieht.

Tauben die in 5 Jahren eine Spitzentaube gebracht haben sind keine Vererber. Wenn nichts mehr von ihnen kommt, empfehle ich mal darüber nachzudenken wie das Ass entstanden ist. In der Hoffnung, dass er nochmals einen solch Guten bringt, ist in meinen Augen eher unwahrscheinlich, weil schon oft beim Nachdenken aufgefallen ist, dass er wahrscheinlich gar nicht der Vater des Guten ist. Fremdbefruchtung gibt es leider oder Gott sei Dank häufiger als man annehmen möchte. Gott sei Dank deswegen, weil es oft der Meister Zufall ist, der uns die richtig Guten beschert. Und leider, meistens kann man diese Asse dann nicht mehr nachzüchten. Trotzdem gibt es sie die Top-Vererber, dazu zähle ich auch die Weibchen die „goldene Eier „ legen. Das sind für mich Tauben, bei denen mehr als  die Hälfte der Nachkommen überdurchschnittliche Leistung zeigen und sich bestenfalls noch jährlich mindestens ein Ass rausschält. Die Messlatte liegt nach meiner Philosophie hoch.

Die Vererber, aber auch die Meister, fallen nicht vom Himmel und sie sind auf jeden Fall sehr rar. Sollte man bei sich dennoch einen ausmachen können, ist er der Grundstein zum Erfolg, den man dann auch verstehen muss festzuhalten. Auf keinen Fall darf man sich zurück lehnen und meinen jetzt geht es von alleine. So sind schon einige sehr erfolgreiche Züchter auch schnell wieder auf den Boden der Tatsache gekommen. Das Karussell in der Zucht dreht sich immer weiter und es gilt die Augen aufzuhalten nach den zukünftigen Vererbern.

 

Denken Sie Mal drüber nach und halten Sie die Augen auf…….

 

Folge 1  

 

 

 Vererbung und Jungtaubenkrankheit

 

Vererbung ist ein sehr komplexes Thema, welches auch sicherlich nicht jeden Sports-freund interessiert oder er gar keinen Sinn darin sieht sich damit zu beschäftigen. Die Jung-taubenkrankheit hingegen ist fast in aller Munde und man hört die wildesten Szenarien was sich in den betroffenen Schlägen abspielt.

 

Was hat aber nun Vererbung mit der Jungtaubenkrankheit zu tun?

 

Oft wird der Ausbruch mit Stress, welcher bei den Jungtauben mit den ersten Korbaufent-halten gekoppelt ist, als Grund angegeben. Sicherlich kann das ein Grund dafür sein, aber trotzdem bricht nicht in jedem Schlag durch diesen Umstand gleich die JTK aus. Obwohl ein großes Theater um die Krankheit gemacht wird, gibt es Schläge die gar noch nie etwas mit JTK zu tun hatten. Die gibt es wirklich! Was machen die anders?

Ich persönlich denke, dass das große Aufsehen und auch die Aufmerksamkeit die wir dieser Krankheit schenken, kontraproduktiv zur Vermeidung der Krankheit ist. Müssen wir doch davon ausgehen, dass es sich bei der JTK eigentlich gar nicht um eine spezielle Krankheit handelt, nein, es kommen mehrere Faktoren, verschiedene Erreger oder Viren zusammen, die dann das Krankheitsbild der JTK auslösen.

Immer wieder liest man im Zusammenhang mit der JTK, wie wichtig es ist das Immunsystem der Taube zu aktivieren. Was gibt es denn da für tolle Mittelchen, die keiner anwendet, aber jeder sie besser kennt, als seine Tauben. Hier fallen mir spontan verschiedene Foren ein, bei denen es darum zu gehen scheint, wer die neuesten Mittelchen kennt. Und keiner wendet sie an, aber jeder weiß, wie sie bei seinen Tauben wirken. Ich stelle mir dann immer vor, wenn nur ein Teil von den genannten Mitteln unseren Tauben verabreicht wird und das ohne Diagnose, zur Vorbeugung oder um das Immunsystem anzustoßen, dann können die armen Geschöpfe doch nur noch krank werden. Sicher ist für mich, wenn Tauben Wasser und Futter nur noch mit Arzneien oder Futterergänzungsmitteln gereicht bekommen, dann sind die ganzen Entwicklungsprozesse gestört. Jungtauben die oft viel zu früh mit diesen guten Mittelchen versorgt werden, können eigentlich gar kein Immunsystem aufbauen. Hier sollten einige unter uns mal drüber nachdenken. Vielleicht wäre es besser die Kleinen ohne die vielen Zusätze aufzuziehen, damit sich das Immunsystem auch „gesund“ entwickeln kann.

 

Arzneimittel helfen,

aber nur dann wenn sie von Tierärzten nach Diagnosestellung sachgerecht eingesetzt werden. Die selbst ernannten Tierärzte unter uns, die dann immer genau wissen, wann das „Antibiotika“ wie lange eingesetzt werden muss, sind sich bestimmt nicht darüber bewusst was für ein Schaden sie hier angerichten. Schlimmer noch, die wissen auch wo wir uns das Arzneimittel ohne Tierarzt besorgen können. Hier kann ich nur raten sich mal bewusst zu machen, welchen Schaden dadurch an Mensch und Tier angerichtet werden kann. Unabhängig davon schwächen die blinden Kuren vor Reisebeginn den Organismus unserer Tauben nur unnötig und wen wundert es, wenn dann bei den ersten Vorflügen und gemeinsamen Korbaufenthalten, das Immunsystem versagt. Das Gleiche gilt, wenn wir unsere Lieblinge mit irgendwelchen, letztendlich windigen Ergänzungsmittel vollstopfen.

 

Weniger ist mehr,

ein altes Sprichwort, welches wir uns nicht oft genug in diesem Zusammenhang in Erinnerung rufen können. Übermaß schadet mehr als es hilft. Nahrungsergänzungsmittel bringen nur dann etwas, wenn die Taube das ganze verarbeiten kann. Natürlich scheidet der Körper, z.B. Vitamine die nicht benötigt werden, wieder aus, aber das belastet doch nur unnötig den Stoffwechsel. Manche so hoch gepriesene Mittelchen entfalten bei Überdosier-ung unter  Umständen sogar toxische Wirkung. Deshalb auch bei Zusatzprodukten den Bogen nicht überspannen und mit Maß und Ziel geben, damit kann auch die nötige Hilfe erreicht werden. Ich musste feststellen, dass die Besten in unserem Sport oft viel weniger zu setzen als wir denken. Alle spekulieren immer bei Erfolg auf die geheimen Mittelchen, die den Siegern verabreicht wurden. Oft musste ich schon feststellen, dass die erfolgreichen Züchter gar nicht mehr machen als das Nötigste, wie z.B. hochwertiges Futter, sauberes Wasser, ein gutes Schlagklima und zum richtigen Zeitpunkt vielleicht eine kleine Unterstützung mit Zusätzen, wie Vitamine und Spurenelemente. Was sie sicher nicht machen ist ihre Versorgungspläne ständig mit allmöglichen Zusatzmitteln überladen und immer neu erfinden.

 

Kontinuität, Verlässlichkeit und Fingerspitzengefühl

sind meistens die Geheimnisse der Erfolgreichen. Wenn ich kontinuierlich meinen Versor-gungsplan einhalte und bei Bedarf, z.B. nach außergewöhnlich schweren Flügen, mit Fingerspitzengefühl ab und zu gebe, dann können sich meine gefiederten Freunde auf mich verlassen – das ist für mich die Verlässlichkeit – und ich bin überzeugt sie werden es mir mit Verlässlichkeit in den Preislisten danken. Nicht jede Woche oder bei irgendwelchen –vielleicht sogar gut gemeinten Ratschlägen – dürfen wir unseren Versorgungsplan auf den Kopf stellen. Fingerspitzengefühl kann man nur entwickeln, wenn man seine Tauben kennt, das heißt sie auch ständig beobachtet und daraus die richtigen Schlüsse zieht. So ist es ein leichtes bei Bedarf richtig zu reagieren. Klar in kleinen Beständen ist der Züchter sehr nahe an seinen Pfleglingen und kennt sie im Einzelnen, was sich bei großen Beständen evtl. dann schwieriger gestaltet.

 

Meine Tauben müssen zu mir passen,

das heißt auch, dass sie sich letztendlich mir anpassen müssen. Viele von uns glauben sie kaufen sich aus verschiedenen Assen ein paar Jungtauben und schon hätten sie den Erfolg mit gekauft. Wäre das so einfach, dann hätte unser Hobby schnell seinen Reiz verloren. Abstammungen fliegen nicht, das hört man oft, wenn sich die gut Betuchten unter uns über die großen Stammbäume und die Preise die dafür bezahlt werden unterhalten. Ich sehe das ein bisschen anders: Von nichts kommt nichts und aus Ackergäulen kann man keine Rennpferde machen. Persönlich lege einen großen Wert auf das Papier, denn - voraus-gesetzt es ist nach bestem Wissen und Gewissen erstellt – es zeigt mir was ich von der Taube erwarten kann. Ich habe aber auch Verständnis, wenn Züchter auf den Pedigree weniger Wert legen, trotzdem bin ich mir sicher, dass auch die von den Besten wollen und sich einfach auf das Wort des Züchters verlassen. Ich gebe zu, dass sich bei uns ein regelrechter Wahn nach Abstammungen entwickelt hat, der nicht immer förderlich für unser Hobby ist. Viele kennen die besten und neuesten Abstammungen, aber leider vergessen sie dabei, dass es wohl besser wäre seine eigenen Tauben zu beobachten und kennenzulernen. Ich muss für meine Tauben ein System, einen Versorgungsplan, ausklügeln der zu mir und meinen Tauben passt. Vielleicht kann ich bei der Anschaffung bereits einen guten Versorgungsplan mitbekommen, den ich bereit bin umzusetzen und einzuhalten. Meine Zöglinge werden sich daran gewönnen oder auch nicht. Vielleicht kann ich durch Beobachtungen oder Erfahrungen Kleinigkeiten noch nachjustieren, aber mein Ziel muss immer sein so wenig wie möglich zu verändern, da spielt die Verlässlichkeit  eine nicht unwichtige Rolle.

 

Auslese und gesetzte Zuchtziele,

tragen zu einem Weiterkommen in unserem Hobby ganz sicher mit bei, also die Taube die unter meiner Führung die von mir erwartete Leistung nicht bringt, passt eben nicht zu mir und muss gehen. Über die Auslese kann eigentlich nur der Reisekorb entscheiden, das sollte doch inzwischen jedem klar sein. Ich muss mir immer wieder Ziele in meiner Zucht setzen, die auch umsetzbar und erreichbar sind. Dazu muss ich meine Tauben aber einschätzen können, das heißt ihre Stärken und Schwächen bereits kennen. Oft hilft es auch sich über einzelne Tauben Notizen zu machen, nicht nur was sie geflogen haben, auch wie sie manche Merkmale vererben, wie sie sich verhalten oder gar ob sie krankheitsanfällig sind. Meister fallen nicht vom Himmel und manchmal dauert es eben seine Zeit bis man die richtige Mannschaft in Zucht und Reise zusammen hat. Ständig neu anzufangen halte ich für die schlechteste Lösung.

 

Vererbung ist nicht nur was man sieht,

nein, da gehört ein bisschen mehr dazu. In der Erbmasse sind auch Dinge verankert wie Robustheit, Gesundheit, Anfälligkeit oder schwache Immunität um nur mal ein paar Beispiele aufzuzeigen. Und jetzt kommen wir auch der Ausgangsfrage näher: Was hat Vererbung mit der Jungtaubenkrankheit zu tun? Ich sage es muss unser aller Ziel sein robuste, gesunde und widerstandsfähige Tauben zu züchten, die auf 200 – 600 km ihre Leistung abrufen können. Hier vertrete die These, dass durch Auslese die Erbmasse soweit verändert und unsere Tauben wieder bestimmten Krankheitsfaktoren durch ein intaktes Immunsystem standhalten können. Ich bin der Auffassung, dass die Jungtaubenkrankheit mit all Ihrem Fassetten teils hausgemachte Schwierigkeiten sind. Vieles habe ich ja im Vorspann schon versucht darzustellen und will daher nochmal die für mich wichtigsten aufzählen.

  1. Medikamente gehören in die Hände der Tierärzte und sollen auch nur bei entsprechenden Diagnosen angewendet werden. Blinde Kuren belasten eher den Organismus als das sie helfen.
  2. Nahrungsergänzungsmittel nur wenn ich mir einen Zusatznutzen erwarte. Viel hilft viel ist ganz sicher der falsche Ansatz und auf Dauer schadet es mehr als es hilft.
  3. Verlässlichkeit ist für mich, wenn ich meine Tauben regelmäßig mit einem gut ausgewogenen Futterplan versorge und diesen nicht ständig verändere.
  4. Die Tauben müssen zu mir passen und im Zweifelsfall sich mir und meinem Schlag anpassen.
  5. Wenn ich überzeugt bin, dass meine Schlagführung im Großen und Ganzen passt, dann muss ich durch strenge Auslese mich von den Tieren trennen, die bei mir ihre Leistung nicht abrufen können. Ständiges Beobachten und auch Tipps von erfolgreichen Züchtern, denen ich auch vertraue, können eine große Hilfe sein.

Ich muss nicht alle Erbgänge die es gibt in der Theorie beherrschen um Einfluss  auf die Vererbung meiner Schützlinge zunehmen. Eine strenge Auslese ist sicherlich der beste Weg zum Erfolg. Dazu muss ich meine Tiere aber beobachten und kennenlernen, am besten noch Notizen machen. Ich will es mal in der Praxis darstellen: Wenn die JTK ausbricht erkranken nicht alle auf einmal und es gibt auch welche die gar nicht erkranken. Ich muss wissen welche dem Infektionsdruck standgehalten haben und welche gleich bei den ersten Anzeichen übel erkrankt waren. Nun muss ich auch solche Notizen bei der Auslese mit berücksichtigen, umso unter Umständen meinen Bestand auf Dauer zu stärken. Ich muss wissen, sind es vielleicht immer wieder die Tauben aus einem bestimmten Paar die sehr anfällig sind. Solche Tauben können natürlich bei günstigen Flugverhältnissen auch gute Leistung bringen, sind sie aber dann, wenn es mal schwieriger wird, gleich weg. Diesen Dingen muss ich mein Augenmerk schenken und je nachdem welche Ziele ich mir gesteckt habe entsprechend selektieren. Damit kann ich schon sehr viel Einfluss auf die Vererbung nehmen.

Will noch ein Beispiel von einer anderen Tierart vorbringen: Vor mehreren Jahren hatten die Kaninchenzüchter oft Schwierigkeiten mit dem Schnupfen bei ihren Tieren. Meistens ist er auch aufgetreten, wenn die Tiere einem gewissen Stress, wie Ausstellung und Aufzucht, ausgesetzt waren und mit ein paar Medikamenten oder auch Impfungen hat man die Erkrankung vermeintlich schnell wieder in den Griff. Spätestens bei den nächsten stressigen Situationen war er wieder da. Natürlich waren es meistens auch noch die schönsten Tiere und man hat sie ja in der Zucht gebraucht. Sie wurden auch munter vermehrt und sie brachten auch sehr schöne Nachzucht nur mit dem Handicap, Stress konnten sie nicht aushalten ohne gleich wieder die Schnupfensymptome  zu zeigen. In manchen Zuchten hat sich dies richtig festgesetzt. Es gibt sicherlich heute noch Züchter – sind das Züchter? – die in ihren Stämmen mit dieser Problematik zu tun haben und mit der chemischen Keule dagegen ankämpfen und einfach weitermachen.  Aber es gab auch in meinen Augen die echten Züchter, die züchterisch diesem Problem zu Leibe rückten. Diese waren sich sicher, dass das beste Medikament in diesem Fall, der „Solinger Stahl“ ist. Natürlich gibt es immer noch den Kaninchenschnupfen, aber nicht mehr in diesem Ausmaß und viele Züchter haben erkannt, dass man dieses Problem züchterisch und mit einer entsprechenden Auslese angehen muss.

Bestimmt kann man dieses Bespiel nicht 1 zu 1 für uns Taubenzüchter übernehmen, aber die Quintessenz ist die gleiche: Es wird immer Sportsfreunde geben die dem Problem mit der chemischen Keule begegnen und es gibt die Züchter, welche es züchterisch versuchen zu lösen. Und glaubt mir, es gibt sie wirklich diese Bestände, die dem Infektionsdruck standhalten können und nicht gleich beim ersten Windzug einknicken. Wie bereits im Vorfeld angesprochen, diese Züchter sind es, die es sehr oft schaffen sich bei den Meistern zu platzieren.

 

 Es ist an der Zeit nachzudenken oder gar umzudenken!!!