Milky - ein zarter Hauch von Farbe
Experimente mit milky
Kaum hat das Jahr 2026 begonnen und da hat mich mein Faible für die Brieftaubenfarben auch schon eingeholt. Ich werde meine Experimente wohl nur in einem kleinen Rahmen betreiben können, aber ich bin mir sicher, dass ich wieder meine Freude daran habe und Ihnen liebe Leser gerne berichten kann.
Es liegt nun schon drei oder vier Jahre zurück, da ist mir in einer Versteigerung eine farblich, für mich, herrlich interessante Taube aufgefallen. Diese Taube ließ mir einfach keine Ruhe und so begann ich mit meinen Recherchen. Es war eine Milky. Diese Farbe ist mir bei den Sporttauben eigentlich noch nie begegnet und so wollte ich mehr über deren Ursprung erfahren. Ihr Vater war der „Dracula“, ein top Vererber bei Clemens Ivanschitz. Dieser Vogel hatte bereits für Furore in der One-Loft-Race-Szene gesorgt. Unter anderem ist er der Vater von mehreren Tauben die beim Algarve Golden Race und anderen Rennen sich auf den vorderen Plätzen einreihen konnten. So zum Beispiel der "Wan Drago", 4e im Finale Algarve Golden Race 2018. Der "Daredevil", 1. Ace Algarve Golden Race 2020 oder auch bereits 2019 der "Big Drago“, er wurde 2. Ace beim Europa Master.
Wie bei einigen Züchtern wird auch bei Clemens Ivanschitz schon mal eng in Linie gezüchtet, um bestimmte DNA von seinen besonderen Vererbern zu festigen. So hat er den „Dracula“ damals mit einer seiner Töchter gepaart und siehe da es sind die ersten Milkys gefallen. Warum das aus einer solchen Paarung passieren kann, dass sich Fehlfarben zeigen, werde ich später nochmals aufzeigen.
Beschreibung zu Milky
Zunächst, will ich aber mal den Farbenschlag Milky beschreiben. Typisch für Milky ist die milchartig ausgebleichte Färbung des Körpergefieders mit der gleichzeitigen Ausbleichung der Binden auf den Schwingen und Schwanz. Bei gehämmerten Tieren so auch die Hämmerungsflecken. Ursprünglich nannte man diese Farbe in der USA Silberpuder, was sicherlich in Verbindung mit dem Ausbreitungsfaktor auch eine sehr passende Benennung gewesen wäre. Diese Milkys mit Ausbreitungsfaktor sind hellgrau (silbrig) und haben sich in der Rassetaubenzucht bei einigen Rassen als die Farbe Silber auch weiterhin etabliert.
Eigentlich ist Milky bereits in den 30 Jahren des vorigen Jahrhunderts von W.F. Hollander, einem der größten Farbgenetiker für Tauben, in der USA bei Haustauben entdeckt worden. Er war es der in der Folge durch verschiedene Kreuzungen herausfand, dass dieser Farbfaktor rezessiv und nicht geschlechtsgebunden an die Nachkommen weitergegeben wird. Die ungewöhnlich anmutende Bezeichnung Milky (milchig) wählte er deshalb, weil die bindigen Tiere aussahen, als wären es blaue Tauben mit Milch durchtränkt.
Bei der Rassetaubenzucht beschäftigt man sich intensiver mit den einzelnen Nuancen die dieser Farbenschlag mit sich bringt, als ich es eigentlich bei meiner Zucht vorhabe. Für mich ist in erster Linie mal der Leistungshintergrund den der Träger dieses Erbgutes, der „Dracula“, mit sich bringt das erste Puzzleteilchen in meinen Überlegungen zu den Zielen, die ich mir bei dieser Farbe für 2026 gesetzt habe.
Meine Planungen
Da ich inzwischen fünf Kinder des Wundervogels „Dracula mein Eigen nennen darf, sollte klar sein, dass ich meine Experimente auf eine größere Basis stellen möchte. Nach meinen Planungen werden alle fünf Kinder fremd mit sehr guten Leistungs-erbringern beziehungsweise auch erwiesenen Vererbern gepaart. Dass aus diesen Verpaarungen direkt Milkys kommen ist eher unwahrscheinlich, da diese Partner sicherlich nicht den Milkyfaktor in ihrem Genpool tragen. Somit sind aber zumindest alle Nachkommen der drei Milkys gleichwohl mischerbig für diesen Faktor. Bei den beiden gehämmerten Söhnen des „Draculas“ ist es nicht sicher ob sie überhaupt das Milkygen tragen, also mischerbig für milky sind. Trotzdem werden sie fremd gepaart und nicht auf Farbe getestet. Die Testung auf Mischerbigkeit, also Farbe, hebe ich mir erst einmal für den Sommer oder Herbst dieses Jahres auf. Dafür habe ich mir eigens eine Täubin in Milky besorgt, allerdings ist die Leistungsstärke für mich nicht einschätzbar, obwohl sie von ihrem Besitzer bis 250 Kilometer trainiert wurde.
Alle Nachkommen der Draculakinder sollen, wenn die körperlichen Voraussetzungen meinen Vorstellungen entsprechen, auf verschieden Tribünenflügen getestet werden. In der Hoffnung, dass welche ihr Potential zeigen können, scheue ich einen späteren Rückkauf nach den Wettbewerben nicht. Natürlich sollen aber auch ein paar wenige im RV-Programm getestet werden. In der Erwartung, dass sich bei der Nachzucht die ein oder andere Jungtaube herausschält bei der eine gewisse Gewinnerqualität erkennbar ist, wird sich der nächste Schritt, bei dem es dann letztendlich um die Farbe in der Zucht zu fördern geht, in das Jahr 2027 verschieben. Da sollen dann die ersten Milkys für große Aufgaben gezüchtet werden. Bisher ist mir nicht bekannt, dass dieser doch sehr seltene Farbenschlag bei den Brieftauben sich hätte im Korb bereits zeigen können.
Erbgänge im „Punettschen Quadrat“
Nun will ich mal versuchen die farblichen Erbgänge vereinfacht mit Hilfe Punettscher Quadrate darzustellen. Bei diesen meinen Ausführungen geht es einzig und allein um die Farbe, dabei lassen wir die Zeichnungen, wie zum Beispiel bindig oder gehämmert außer Acht. Im ersten Schritt paaren wir einen blauen Vogel mit einem milky Weibchen. Den Vogel bezeichne ich mit BLAU; Großbuchstaben, da er in diesem Fall dominant zu milky vererbt. Milky dann logischer Weise mit Kleinbuchstaben, da es rezessiv weitergegeben wird.
In der ersten Generation (F1), sind bei dieser Verpaarung alle Jungtiere im Phänotyp blaugrundig (bindig oder gehämmert) und im Genotyp mischerbig für milky (Bild 2). Was dem ersten Schritt in 2026 bei meinen Überlegungen zur Farbe entspricht. Diese Nachzucht muss beziehungsweise soll sich im Korb behaupten können. Dann wäre der nächste Schritt, die nächste Generation (F2), in 2027 angedacht. Hier könnte zum einen eine Paarung der F1 untereinander eine Möglichkeit sein (Bild 3) um die ersten Milky für den Korb zu erhalten. Oder um den Farbfaktor (Mischerbigkeit) bei der Nachzucht klar bestimmen zu können, wäre eine Sohn-Mutter-Paarung (Bild 4) die Lösung, denn somit kann bei den blaugrundigen phänotypischen Jungtieren immer von einer genotypischen Mischerbigkeit für milky ausgegangen werden.
In diesen Betrachtungen ist milky nur als Farbfaktor dargestellt, allerdings gibt es bei ihm auch die Zeichnungsmerkmale, von hohlig (ohne Binden) bis hin zu spread, also mit Ausbreitungsfaktor. Mir stehen bei meinen Experimenten derzeit nur gehämmerte Tiere in milky zur Verfügung, aber ich rechne bei der F2 dann auch mit bindiger Nachzucht in milky. Vielleicht gelingt es mir auch den Ausbreitungsfaktor mit ins Spiel zu bringen, was farblich sicherlich einen besonderen Reiz hätte.